Bisher sollte das SEPA-Zahlungssystem zum 1. Februar europaweit in Kraft treten, nun hat die EU-Kommission entschieden, die Übergangsfrist um sechs Monate zu verlängern. Die Umstellungsrate sei nicht hoch genug, um einen reibungslosen Übergang zu dem neuen System zu gewährleisten, erklärte EU-Kommissar Michel Barnier am Donnerstag in Brüssel.

„Ich bedaure, das tun zu müssen, aber diese Maßnahme ist erforderlich, um mögliche Risiken einer Störung des Zahlungsverkehrs zu verhindern, die besonders für Verbraucher und kleine und mittlere Unternehmen Folgen haben könnten“, so Barnier. Das EU-Parlament und der EU-Rat müssen dem Vorschlag zustimmen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte hingegen, sie wolle am Umstellungsdatum 1. Februar festhalten. Die Fortschritte bei der SEPA-Einführung seien gut. Die große Mehrheit aller Beteiligten werde Ende des Monats damit fertig sein. Finnland, Slowenien, die Slowakei und Luxemburg sind nach Angaben von EZB-Präsident Mario Draghi am weitesten bei der Umstellung auf das europäische Zahlungssystem SEPA. „Wir möchten, dass die SEPA-Umstellung schnell abgeschlossen wird. Wir glauben, dass vor allem die Verbraucher davon profitieren würden“, sagte der Präsident der EZB am Donnerstag in Frankfurt.

Umstellung in Österreich laut OeNB im Plan

Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hält es für realistisch, dass der österreichische Zahlungsverkehr wie bisher geplant mit 1. Februar umgestellt wird. Die zusätzliche Übergangsfrist gebe vor allem Nachzüglern mehr Zeit, teilte die OeNB am Donnerstag mit. In den letzten Monaten seien von allen Betroffenen – Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Banken – große Anstrengungen unternommen worden, um fristgerecht von den nationalen Zahlungssystemen für Überweisungen und Lastschriften auf die SEPA-Standards umzustellen, so die Nationalbank.

„Bereits im Dezember 2013 wurden in Österreich rund 50 Prozent aller Lastschriften und 60 Prozent aller Überweisungen im SEPA-Format abgewickelt“, betont die OeNB. Ungeachtet der vorgeschlagenen längeren Übergangsfrist empfiehlt die Nationalbank, die Umstellung der Überweisungen und Lastschriften auf die neuen Formate bis 1. Februar 2014 zu finalisieren. Damit sollte die Parallelphase nationaler Zahlungssysteme und SEPA-Standards und der damit verbundene Aufwand so gering wie möglich gehalten werden.

Die Erste Bank zeigte sich „überrascht“, dass die EU-Kommission heute die sogenannten SEPA-Fristen auf den 1. August 2014 verlängert hat. Da die Umstellung in großen Zahlungssystemen wie in Deutschland und Frankreich bisher schleppend verlaufen sei, könne man die Entscheidung aber „grundsätzlich nachvollziehen“.

SEPA-Standard statt Fleckerlteppich

Hintergrund der Umstellung ist die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrsraums. Bereits seit 2008 wird in einem Mammutprojekt der Finanzverkehr von insgesamt 33 europäischen Ländern harmonisiert. Der bisherige Fleckerlteppich an nationalen Zahlungssystemen wird von den über 4.400 europäischen Banken durch den neuen gemeinsamen SEPA-Standard ersetzt.

Single Euro Payments Area

SEPA ist der aus 33 Staaten bestehende Einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dazu gehören die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und Monaco.

Ziel der SEPA-Einführung war es, sämtliche Bankgeschäfte im Euro-Raum mit einem einzigen Konto bei einer beliebigen Bank in der EU durchführen zu können. Das wurde mit der wesentlich längeren, internationalen Kontonummer (International Bank Account Number, IBAN) und dem BIC (Business Identifier Code) möglich. Auch die Verkürzung der Bearbeitungsdauer von Überweisungen EU-weit auf einen Werktag wurde bereits umgesetzt. Insgesamt 400 Millionen Menschen, die jährlich 87,5 Milliarden elektronische Zahlungen vornehmen, sind laut European Payment Council davon betroffen. Allein in Österreich werden fast eine Milliarde Transaktionen pro Jahr (ohne Kartenzahlungen) abgewickelt.

Neue Kontonummer mit 20 Stellen

Je nach Land kann die IBAN maximal 34 Stellen aufweisen. Eine österreichische IBAN besteht aus 20 Stellen und ist damit vergleichsweise kurz – sie ist auf der Rückseite der Bankomatkarte, auf dem Kontoauszug beziehungsweise im Onlinebanking bei den Kontodaten zu finden.

Neu an der IBAN sind die vorderen vier Stellen. Die ersten beiden Stellen sind mit Buchstaben besetzt und geben an, in welchem Land das Konto geführt wird. Die Länderkennung für österreichische Konten ist immer AT. Darauf folgt eine zweistellige Prüfziffer, die Fehlüberweisungen vermeiden soll. Sie kann vom Kunden nicht aus der alten Kontonummer abgeleitet werden, sondern wird mit einer komplexen Formel aus Bankleitzahl und Kontonummer errechnet. Dann kommt die fünfstellige bisherige Bankleitzahl, gefolgt von der elfstelligen bisherigen Kontonummer (inklusive Nullen).

IBAN, das Schreckgespenst

Genau dieser 20-stellige Buchstaben-Ziffern-Code ist zum Schreckgespenst vieler Bankkunden geworden. Denn je mehr Ziffern man sich merken beziehungsweise abschreiben muss, desto größer ist freilich auch die Möglichkeit für Schreibfehler und Ziffernstürze. Eine potenzielle Fehlerquelle ist etwa die Anzahl der Nullen vor der Kontonummer. Musste man diese bisher nicht angeben, sind sie beim IBAN wesentlicher Teil.

Das Eingabefeld auf der SEPA-Zahlungsanweisung ist farblich in Viererzahlengruppen (jeweils vier rot, vier weiß etc.) unterteilt. Die optische Hilfe soll das Nachzählen der Stellen erleichtern.

Eine weitere Neuerung im Zahlungsanweisungsformular ist das Feld „Zahlungsreferenz“ anstelle von „Kundendaten“ auf dem Erlagschein. Es kann bis zu 35 Stellen lang sein. Nur wenn keine Zahlungsreferenz angegeben wird, wird der verkürzte „Verwendungszweck“ (nur noch bis zu 140 Zeichen, statt bisher bis zu 378) ausgelesen. Ein Ausfüllen beider Felder (Verwendungszeck und Zahlungsreferenz) ist nicht möglich. Hier warnen Experten vor möglichen Komplikationen, wenn der kürzere Verwendungszweck mit seinen dann nur noch 140 Zeichen nicht für alle Informationen (Kundennummer, Bestellnummer, Vertragsdatum etc.) ausreicht.

BIC nur bei Auslandsüberweisungen

Die Angabe einer Bankleitzahl ist bei der Eingabe der IBAN im Zahlungsverkehr innerhalb Österreichs nicht mehr nötig. Bei Auslandsüberweisungen braucht man anfangs noch den BIC (oder auch SWIFT-Code). Dieser entspricht der bisherigen Bankleitzahl und ist die weltweit eindeutige Kurzbezeichnung einer Bankfiliale. Der Code hat entweder acht oder elf Stellen, ist aber im Gegensatz zum IBAN für den Normalkunden selbst bei genauem Hinschauen nicht herleitbar.

Der BIC der Bank Austria heißt etwa BKAUATWW, die Erste Bank firmiert unter dem BIC GIBAATWW, die BAWAG hat den BIC BAWAATWW. Des Gedächtnistrainings nicht genug, kann der achtstellige Allgemein-BIC einer Bank noch um drei Stellen verlängert werden und bezeichnet dann die genaue Filiale des Kreditinstituts wie zum Beispiel RZOOAT2L680 für die Raiffeisenbank Wels.

Um die Nerven der Kunden nicht noch weiter zu strapazieren und da der IBAN ja bereits die Bankleitzahl enthält, hat die EU festgelegt, dass ab Februar 2016 auch Geldtransfers innerhalb Europas ohne BIC durchgeführt werden können.

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Quelle: ORF.at